Atomkraft, Ja bitte!?

"Eine Debatte, die an der Realität vorbeigeht"

Warum die Rückkehr zur Atomkraft für Deutschland der falsche Weg ist

Der Atomausstieg ist längst Realität. Trotzdem fordern Parteien wie die AfD eine Rückkehr zur Kernenergie. Doch wäre das wirklich eine sinnvolle Antwort auf hohe Strompreise und wirtschaftliche Probleme? Warum ich nach intensiver Beschäftigung mit dem Thema zu einem anderen Schluss komme.

Stand: Oktober 2026

Ob Deutschland aus der Atomenergie aussteigen sollte, war und ist eine schwierige Frage. Und ich finde, diese Debatte darf man durchaus führen und ich selbst bin mir auch nicht sicher, ob man das nicht hätte weiter hinauszögern können/sollen. Der Atomausstieg war letztlich eine politische Entscheidung, die auf bestimmten gesellschaftlichen Prioritäten beruhte: auf Sicherheitsbedenken, dem Umgang mit radioaktivem Abfall und der Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen.

Ob diese Prioritäten richtig gewichtet wurden, möchte ich hier bewusst offenlassen.

Problematisch wird es allerdings, wenn Parteien wie die AfD den Atomausstieg zum Sinnbild einer angeblich gescheiterten deutschen Energiepolitik erklären und daraus die Forderung ableiten, wieder auf Kernenergie zu setzen.

Die Argumentation klingt zunächst einfach: Der Atomausstieg sei ein fundamentaler Fehler gewesen. Die erneuerbaren Energien seien für die hohen Strompreise verantwortlich. Windkraft und Energiewende seien gescheitert. Deutschland müsse deshalb zurück zur Atomkraft.

Tatsächlich fordert die AfD in ihrem Bundestagswahlprogramm 2025 den Wiedereinstieg in die Kernenergie und eine Abkehr von wesentlichen Elementen der Energiewende.

Doch so einfach ist die Realität nicht.

Und vor allem halte ich diese Diskussion inzwischen für falsch aufgezogen.

Denn ich möchte hier ausdrücklich nicht darüber diskutieren, ob der ursprüngliche Atomausstieg ein Fehler war.

Darauf habe ich selbst keine eindeutige Antwort. Es gibt nachvollziehbare Argumente für und gegen die Kernenergie, insbesondere wenn man Sicherheit, Klimaschutz, Versorgungssicherheit und langfristige Kosten berücksichtigt.

Aber diese Entscheidung liegt längst hinter uns.

Denn selbst wenn man heute zum Schluss käme, dass der Ausstieg damals falsch war, würde daraus nicht automatisch folgen, dass ein Wiedereinstieg heute sinnvoll ist.

Das sind zwei völlig unterschiedliche Fragen

Deutschland hat seine letzten drei Atomkraftwerke am 15. April 2023 abgeschaltet. Der Rückbau zahlreicher Anlagen ist bereits weit fortgeschritten. Personal, Infrastruktur, industrielle Kapazitäten und Lieferketten wurden über Jahrzehnte auf den Ausstieg ausgerichtet.

Der deutsche Atomausstieg wurde bereits im Jahr 2000 zwischen der damaligen Bundesregierung und den Energieunternehmen vereinbart. 2002 wurde er gesetzlich festgeschrieben.

Das war neun Jahre vor der Reaktorkatastrophe in Fukushima.

2010 verlängerte die damalige CDU/CSU-FDP-Regierung die Laufzeiten der Atomkraftwerke zunächst wieder. Nach Fukushima 2011 wurde diese Entscheidung revidiert und der Atomausstieg beschleunigt.

Fukushima war also ein entscheidender politischer Wendepunkt, aber keineswegs der ursprüngliche Auslöser des deutschen Atomausstiegs. Die einzelnen Schritte dokumentiert das Bundesumweltministerium.

Aber zu behaupten, der gesamte Atomausstieg sei erst aus einer spontanen Hysterie nach Fukushima entstanden, verzerrt die Geschichte.

Und gerade beim Vorwurf des Opportunismus lohnt sich ein Blick auf die Politik selbst.

Markus Söder etwa gehörte nach Fukushima zu den deutlichen Befürwortern eines schnellen Atomausstiegs, während er sich später wieder für eine stärkere Nutzung der Kernenergie aussprach.

Politiker dürfen ihre Meinung ändern. Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Aber wer heute frühere Entscheidungen als vollkommen irrational darstellt, muss sich auch an den eigenen damaligen Positionen messen lassen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, ob wir damals anders hätten entscheiden sollen.

Sie lautet: Ist es unter den heutigen Bedingungen wirtschaftlich und energiepolitisch sinnvoll, wieder in die klassische Atomkraft einzusteigen?

Und meine Antwort darauf ist ziemlich eindeutig: Nein.

Warum ich mich mit der Frage beschäftigte

Vielleicht kurz etwas zu mir: Ich habe keinen Abschluss in Atomphysik und bin auch kein Experte für Energiewirtschaft.

Ich bin aber ein ziemlicher Geek, interessiere mich für Technik und beschäftige mich gerne intensiver mit Fragen, die mich nicht loslassen.

Die Atomenergie gehört definitiv dazu.

Lange hatte ich das Gefühl, Deutschland gehe beim Atomausstieg einen merkwürdigen Sonderweg. Während andere Länder neue Reaktoren planen oder bauen, haben wir unsere abgeschaltet. Elon Musk nennt so den Atomaustieg Deutschlands auch einen Fehler, während man bei ihm aber natürlich beachten muss, dass dieser die AfD Unterstützt und es so nicht überascht, dass er ihre Forderungen übernimmt.

Ich wollte mir also eine eigene Meinung bilden, anstatt einfach die Argumente einer politischen Richtung zu übernehmen.

Je intensiver ich mich damit beschäftigt habe, desto stärker wurde allerdings meine Überzeugung, dass eine Rückkehr zur klassischen Atomkraft für Deutschland keine besonders gute Idee ist.

Nicht weil Kernenergie grundsätzlich eine schlechte Technologie wäre. Und auch nicht, weil erneuerbare Energien sämtliche Probleme bereits gelöst hätten.

Sondern weil ein Wiedereinstieg unter den heutigen deutschen Bedingungen aus meiner Sicht wirtschaftlich kaum zu rechtfertigen wäre.

Das größte Problem neuer Atomkraftwerke: die Kosten

Deutschland hat vergleichsweise hohe Strompreise. Für private Haushalte sind sie eine finanzielle Belastung, und für energieintensive Unternehmen können sie zu einem erheblichen Wettbewerbsnachteil werden.

Bezahlbare Energie ist deshalb keine Nebensache, sondern eine zentrale wirtschaftspolitische Herausforderung.

Genau hier sehe ich eines der größten Probleme der Forderung nach einem Wiedereinstieg in die Atomkraft.

Der Neubau klassischer Atomkraftwerke ist in Europa extrem kapitalintensiv, und die finanziellen Risiken sind enorm.

Ein Blick auf die Stromgestehungskosten verdeutlicht das.

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme hat 2024 die Erzeugungskosten verschiedener Technologien für Deutschland untersucht.

TechnologieGeschätzte Stromgestehungskosten neuer Anlagen
Freiflächen-Photovoltaik und Windkraft an Landca. 4,1–9,2 ct/kWh
Neue Kernkraftwerkeca. 13,6–49 ct/kWh

Quelle: Fraunhofer ISE, Stromgestehungskosten erneuerbare Energien (2024). Es handelt sich um Erzeugungskosten, nicht um vollständige Stromsystemkosten oder Endkundenpreise.

Natürlich ist das kein vollständiger Vergleich des Stromsystems. Wind- und Solarenergie benötigen zusätzlich Netze, Speicher und flexible Kraftwerke. Kernkraft dagegen liefert relativ kontinuierlich Strom.

Diese Unterschiede muss man berücksichtigen.

Trotzdem zeigen die Zahlen, warum es wirtschaftlich schwerfällt, den Neubau klassischer Atomkraftwerke als Weg zu besonders günstigem Strom zu verkaufen.

Besonders problematisch ist dabei der europäische Erfahrungsschatz.

Das britische Atomkraftwerksprojekt Hinkley Point C ist ein eindrucksvolles Beispiel.

Der ursprünglich deutlich früher erwartete Produktionsbeginn wurde mehrfach verschoben. Anfang 2026 ging der Betreiber EDF davon aus, dass der erste Reaktor 2030 ans Netz gehen könnte, möglicherweise auch erst 2031. Die geschätzten Fertigstellungskosten wurden mit rund 35 Milliarden Pfund auf Preisbasis von 2015 angegeben. Quelle: EDF, Jahresergebnisse 2025 (PDF).

Das bedeutet nicht, dass zwangsläufig jedes Atomkraftwerk derart teuer werden muss.

Aber es zeigt, welches Risiko mit solchen Großprojekten verbunden ist.

Und genau dieses Risiko müsste Deutschland bei einem Wiedereinstieg eingehen.

Warum China kein sinnvoller Vergleich für Deutschland ist

Häufig wird auf China verwiesen. Dort entstehen zahlreiche neue Atomreaktoren, während europäische Projekte mit Kostensteigerungen und Verzögerungen kämpfen.

Daraus könnte man schließen, dass Atomkraftwerke gar nicht so teuer sein müssen.

Das stimmt teilweise. Allerdings werden dabei wichtige Unterschiede übersehen.

China verfügt über eine industrielle Infrastruktur, erfahrene Unternehmen, etablierte Lieferketten und eine kontinuierliche Baupraxis.

Wer viele ähnliche Anlagen baut, kann durch Standardisierung, eingespielte Prozesse und Skaleneffekte Kosten reduzieren.

Auch die Internationale Energieagentur weist darauf hin, dass sich der weltweite Ausbau neuer Kernkraftwerke stark auf China und Russland konzentriert. Quelle: IEA, The Path to a New Era for Nuclear Energy (2025).

Deutschland befindet sich in einer völlig anderen Situation.

Wir haben über Jahrzehnte keine neuen kommerziellen Atomkraftwerke errichtet. Die entsprechenden Strukturen müssten teilweise neu aufgebaut oder aus dem Ausland bezogen werden.

Es geht dabei nicht nur um Beton, Stahl und Reaktortechnik.

Man braucht spezialisierte Ingenieure, qualifizierte Fachkräfte, Zulieferer, Genehmigungsstrukturen, Sicherheitsprüfungen und Unternehmen, die langfristig bereit sind, solche Projekte durchzuführen.

All das kostet Zeit und Geld.

Und wer sich die Erfahrungen mit großen Infrastrukturprojekten in Deutschland anschaut, kann zumindest skeptisch sein, ob der Neubau mehrerer Atomkraftwerke innerhalb des ursprünglichen Budgets bleiben würde.

Ich halte es deshalb für wenig überzeugend, die vergleichsweise effiziente chinesische Reaktorindustrie als Beweis dafür anzuführen, dass Deutschland problemlos günstige Atomkraftwerke errichten könnte.

Diese beiden Ausgangssituationen lassen sich schlicht nicht gleichsetzen.

Atomkraft löst unser heutiges Strompreisproblem nicht

Neben den hohen Kosten kommt ein weiterer entscheidender Faktor hinzu: die Zeit.

Ein neues Atomkraftwerk ist keine Investition, die in wenigen Jahren spürbar zur Stromversorgung beiträgt.

Planung, Genehmigungen, Finanzierung, Bau und Inbetriebnahme können sehr lange dauern.

Und in Deutschland müsste zunächst überhaupt wieder eine politische und rechtliche Grundlage für den Neubau geschaffen werden.

Selbst bei einem sofortigen politischen Beschluss wäre kurzfristig also kaum mit zusätzlichem Atomstrom zu rechnen.

Gleichzeitig müssten während der gesamten Planungs- und Bauphase enorme finanzielle Mittel mobilisiert werden.

Dabei ist es keineswegs zwingend, dass der Staat sämtliche Kosten direkt trägt. Auch private Finanzierung wäre theoretisch möglich. Angesichts der Risiken und des langfristigen Kapitalbedarfs ist allerdings wahrscheinlich, dass staatliche Garantien, Abnahmeverträge oder andere Formen der Risikoabsicherung eine wichtige Rolle spielen würden.

Das bindet finanzielle Spielräume, die Deutschland auch an anderer Stelle dringend benötigt.

Für die gegenwärtigen Strompreise hätte ein solcher Neubau zunächst keinen positiven Effekt.

Im Gegenteil: Je nach Finanzierungsmodell könnten zusätzliche Kosten für Staat, Verbraucher oder Unternehmen entstehen, lange bevor die erste Kilowattstunde erzeugt wird.

Wir würden also enorme Summen in eine Technologie investieren, die unsere aktuellen Probleme auf absehbare Zeit nicht lösen kann.

Der entscheidende Vorteil erneuerbarer Energien: Wir können sie schrittweise ausbauen

Hier sehe ich einen der größten wirtschaftlichen Vorteile von Windkraft und Photovoltaik.

Wir müssen nicht ein einziges gigantisches Kraftwerk planen, finanzieren und anschließend viele Jahre auf seine Fertigstellung warten.

Stattdessen können wir viele einzelne Anlagen errichten, die schrittweise zusätzliche Energie liefern.

Ein Windpark kann erweitert werden. Solaranlagen können auf Dächern, Gewerbeflächen oder entlang bestehender Infrastruktur entstehen. Batteriespeicher können an strategisch sinnvollen Standorten hinzukommen.

Natürlich benötigen auch diese Projekte Genehmigungen, Netzanbindungen, Investitionen und ausreichend Fachkräfte.

Aber sie sind wesentlich modularer.

Anstatt eine riesige Investition auf ein einzelnes Projekt zu konzentrieren, verteilen wir sie auf viele kleinere Vorhaben.

Das bedeutet auch, dass neue technologische Entwicklungen kontinuierlich berücksichtigt werden können.

Wenn Solarmodule effizienter oder Batteriespeicher günstiger werden, können neue Projekte direkt von diesen Fortschritten profitieren.

Bei einem Atomkraftwerk, das über viele Jahre geplant und gebaut wird, ist diese Flexibilität deutlich geringer.

Und genau diese Anpassungsfähigkeit halte ich in einer Zeit rasanter technologischer Entwicklung für einen gewaltigen Vorteil.

Aber was passiert, wenn weder Wind noch Sonne Strom liefern?

Das ist wahrscheinlich eines der häufigsten Argumente gegen erneuerbare Energien.

Und ich muss zugeben: Die Diskussion darüber ermüdet mich inzwischen etwas.

Nicht, weil die Frage unberechtigt wäre. Im Gegenteil. Die sogenannte Dunkelflaute ist eine reale technische Herausforderung.

Was mich stört, ist, dass sie häufig so dargestellt wird, als hätten Wissenschaftler, Ingenieure und Energieunternehmen dieses Problem noch nie bedacht.

Als würde niemand wissen, dass Solaranlagen nachts keinen Strom produzieren und Windräder bei Windstille stillstehen.

Natürlich wissen wir das.

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob es Dunkelflauten gibt, sondern wie ein Energiesystem gestaltet werden muss, um trotzdem zuverlässig und möglichst kostengünstig zu funktionieren.

Die Antwort besteht aus mehreren Bausteinen: Batteriespeichern, einem leistungsfähigen Stromnetz, europäischem Stromhandel, flexiblem Stromverbrauch und regelbaren Kraftwerken, die einspringen können, wenn Wind und Sonne nicht ausreichend Strom liefern.

Kurzfristige Schwankungen lassen sich beispielsweise durch Batterien ausgleichen. Für längere Phasen mit wenig erneuerbarer Stromerzeugung braucht es zusätzliche Absicherung, etwa durch flexible Gas- oder künftig wasserstoffbetriebene Kraftwerke.

Diese Reservekraftwerke können pro erzeugter Kilowattstunde vergleichsweise teuer sein.

Aber das bedeutet nicht automatisch, dass das gesamte Stromsystem teuer sein muss.

Denn entscheidend ist, wie häufig diese Kraftwerke überhaupt zum Einsatz kommen.

Wenn Wind- und Solaranlagen den Großteil des Jahres sehr kostengünstigen Strom liefern, können sie auch ein System wirtschaftlich attraktiv machen, das gelegentlich auf teurere Reservekapazitäten zurückgreifen muss.

Genau hier liegt die wirtschaftliche Logik hinter einem überwiegend erneuerbaren Energiesystem.

Natürlich braucht es dafür Investitionen und eine vernünftige Planung.

Die Bundesnetzagentur kommt in ihrem Versorgungssicherheitsmonitoring von 2025 zu dem Ergebnis, dass die deutsche Stromversorgung auch künftig gesichert werden kann, wenn zusätzliche steuerbare Kraftwerkskapazitäten geschaffen, Netze ausgebaut und Flexibilitätspotenziale erschlossen werden.

Je nach untersuchtem Szenario nennt sie einen Bedarf von bis zu 22,4 beziehungsweise 35,5 Gigawatt zusätzlicher steuerbarer Kapazität bis 2035. Quelle: Bundesnetzagentur – Versorgungssicherheit.

Das zeigt zweierlei.

Erstens: Die Energiewende funktioniert nicht von allein. Wer erneuerbare Energien ausbaut, muss gleichzeitig das restliche Stromsystem weiterentwickeln.

Zweitens: Es gibt konkrete, technisch untersuchte Konzepte, wie ein solches System zuverlässig funktionieren kann.

Die Behauptung, erneuerbare Energien seien wegen gelegentlicher Dunkelflauten grundsätzlich ungeeignet, greift deshalb viel zu kurz.

Batterien verändern die wirtschaftliche Gleichung

Ein weiterer Punkt, der in der öffentlichen Debatte meiner Meinung nach häufig unterschätzt wird, ist der technologische Fortschritt.

Gerade bei Batteriespeichern hat sich in den vergangenen Jahren enorm viel getan.

Und das ist wichtig, weil Batterien das wirtschaftliche Potenzial erneuerbarer Energien deutlich erhöhen können.

Wenn mittags sehr viel Solarstrom vorhanden ist, muss dieser nicht zwingend sofort verbraucht werden. Ein Teil kann gespeichert und einige Stunden später wieder eingespeist werden.

Damit lässt sich nicht nur die Stromversorgung stabilisieren. Es entsteht auch ein wirtschaftlicher Vorteil, weil günstiger Strom in Zeiten höherer Nachfrage genutzt werden kann.

Laut Fraunhofer ISE stieg die Kapazität der deutschen Großbatteriespeicher im Jahr 2025 von rund 2,3 auf 3,7 Gigawattstunden. Insgesamt waren einschließlich Heimspeichern knapp 25 Gigawattstunden installiert. Quelle: Fraunhofer ISE – Öffentliche Stromerzeugung 2025.

Natürlich reicht das noch lange nicht, um jede Dunkelflaute zu überbrücken.

Aber Batterien müssen auch nicht jede denkbare Situation allein bewältigen.

Sie sind ein Teil eines größeren Systems.

Und je günstiger diese Speicher werden, desto wirtschaftlicher kann die Kombination aus erneuerbaren Energien und Speichern werden.

Eine Studie des Fraunhofer IEE aus dem Jahr 2026 zeigt beispielsweise, dass zusätzliche Speicher erhebliche volkswirtschaftliche Einsparungen ermöglichen könnten, indem sie Stromüberschüsse besser nutzbar machen und Preisspitzen reduzieren. Quelle: Fraunhofer IEE – Flexibilität.

Ich halte es deshalb für einen Fehler, die Energiewende anhand der technischen Möglichkeiten von gestern zu beurteilen.

Wir sollten vielmehr berücksichtigen, wie schnell sich die verfügbaren Technologien verändern.

Erneuerbare Energien sind auch eine wirtschaftliche Chance für Deutschland

Für mich gibt es noch einen weiteren Grund, warum Deutschland konsequent auf erneuerbare Energien setzen sollte.

Und dieser Grund hat zunächst wenig mit Klimaschutz zu tun.

Es geht um unseren Wirtschaftsstandort.

Deutschland ist ein Land des Mittelstands, des Maschinenbaus, der Ingenieurskunst und der technischen Innovationen.

Wir haben unzählige Unternehmen, die hoch spezialisierte Komponenten entwickeln, Produktionsprozesse verbessern und technische Lösungen für komplizierte Herausforderungen finden.

Genau darin sehe ich eine enorme Chance.

Der Ausbau erneuerbarer Energien benötigt weit mehr als Windräder und Solarmodule.

Er braucht Leistungselektronik, Wechselrichter, Netztechnik, Batteriesysteme, intelligente Steuerungen, Software, Transformatoren, Produktionsanlagen und neue industrielle Anwendungen.

Das sind Bereiche, in denen deutsche Unternehmen und Forschungseinrichtungen eine wichtige Rolle spielen können.

Und natürlich entstehen durch Installation, Wartung, Planung und technische Weiterentwicklung zusätzliche wirtschaftliche Aktivitäten und Arbeitsplätze.

Auch die Kernenergie schafft qualifizierte Arbeitsplätze und kann anspruchsvolle Industrien hervorbringen. Das möchte ich überhaupt nicht bestreiten.

Der Unterschied besteht für mich vor allem darin, dass sich erneuerbare Technologien in sehr vielen unterschiedlichen Größen und Anwendungsfeldern einsetzen lassen.

Vom kleinen Handwerksbetrieb, der Solaranlagen installiert, bis zum hoch spezialisierten Industrieunternehmen, das Batteriespeicher oder Netztechnik entwickelt.

Diese Vielfalt passt hervorragend zur deutschen Wirtschaftsstruktur.

Statt Milliarden in den Wiederaufbau einer klassischen Atomindustrie zu investieren, könnten wir bestehende industrielle Stärken ausbauen und neue aufbauen.

Dabei sollten wir uns allerdings nicht der Illusion hingeben, dass Deutschland automatisch von jeder neuen grünen Technologie profitieren wird.

Gerade bei Solarmodulen und Batteriezellen ist die internationale Konkurrenz enorm.

Deshalb müssen Forschung, Innovation, Ausbildung und wettbewerbsfähige Produktionsbedingungen zusammenkommen.

Die Energiewende sollte nicht nur ein Projekt zur Reduzierung von CO₂ sein. Sie sollte ein industriepolitisches Projekt sein, das Deutschland technologisch und wirtschaftlich voranbringt.

Atomenergie schafft neue internationale Abhängigkeiten

Ein weiteres Argument betrifft die Versorgungssicherheit.

Deutschland verfügt über keine bedeutende eigene Uranförderung und müsste für den Betrieb neuer Atomkraftwerke auf internationale Lieferketten zurückgreifen.

Das gilt nicht nur für den Brennstoff, sondern unter Umständen auch für wesentliche Teile der Reaktortechnologie und spezialisierte Dienstleistungen.

Die Internationale Energieagentur warnt ausdrücklich vor der starken Konzentration bei der nuklearen Technologie sowie bei Uranproduktion und -anreicherung. Quelle: IEA, The Path to a New Era for Nuclear Energy.

Dabei möchte ich dieses Argument nicht überbewerten.

Uran lässt sich vergleichsweise gut bevorraten, und internationale Lieferketten sind nicht grundsätzlich problematisch.

Auch erneuerbare Energien sind auf Rohstoffimporte und ausländische Hersteller angewiesen.

Aber die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie wichtig es sein kann, geopolitische und wirtschaftliche Abhängigkeiten möglichst breit zu streuen.

Die Coronapandemie hat verdeutlicht, wie anfällig globale Lieferketten sein können. Und auch zukünftige Krisen lassen sich nicht zuverlässig vorhersehen.

Deshalb halte ich es grundsätzlich für sinnvoll, einen möglichst großen Teil unserer Energie im eigenen Land zu erzeugen.

Wind und Sonnenlicht müssen wir schließlich nicht importieren.

Die Anlagen dafür schon teilweise. Aber wenn sie einmal installiert sind, benötigen sie keinen kontinuierlichen Import eines Brennstoffs.

Das ist für mich ein langfristiger strategischer Vorteil.

Auch Atomkraftwerke sind nicht unabhängig vom Wetter

Ein häufig vorgebrachtes Argument lautet, Atomenergie liefere unabhängig von Wind und Wetter zuverlässig Strom.

Grundsätzlich ist das ein echter Vorteil der Technologie.

Allerdings bedeutet das nicht, dass Atomkraftwerke vollständig unabhängig von klimatischen Bedingungen arbeiten.

Gerade bei hohen Temperaturen und niedrigen Flusspegeln kann die Kühlung bestimmter Kraftwerke zum Problem werden.

In Europa mussten Reaktoren bei Hitzewellen zeitweise ihre Leistung reduzieren oder den Betrieb einschränken, weil Kühlwasser knapp war oder Umweltauflagen für die Erwärmung von Gewässern eingehalten werden mussten.

Das bedeutet nicht, dass Atomkraftwerke bei jeder Hitzewelle ausfallen. Die Auswirkungen hängen stark vom Standort, dem Kühlsystem und den örtlichen Bedingungen ab.

Aber auch diese Technologie besitzt Abhängigkeiten, die in einer zunehmend von Hitze und Trockenheit geprägten Welt berücksichtigt werden müssen.

Ich erwähne das nicht, um Kernenergie als unzuverlässig darzustellen.

Sondern weil mir wichtig ist, dass wir technische Lösungen nach ihren tatsächlichen Eigenschaften bewerten und nicht nach idealisierten Vorstellungen.

Keine Form der Stromerzeugung ist vollkommen unabhängig von äußeren Bedingungen.

Was zeigen die Zahlen seit dem deutschen Atomausstieg?

Besonders interessant wird die Debatte, wenn wir nicht nur über theoretische Szenarien sprechen, sondern uns anschauen, was seit dem tatsächlichen Atomausstieg passiert ist.

Die letzten deutschen Atomkraftwerke wurden am 15. April 2023 abgeschaltet.

Seitdem lässt sich untersuchen, ob die vielfach vorhergesagten dramatischen Folgen tatsächlich eingetreten sind.

Und das Ergebnis ist bemerkenswert.

Das Fraunhofer ISE kommt in seiner Bilanz zum ersten Jahr ohne Kernenergie zu dem Schluss, dass der weggefallene Atomstrom mengenmäßig durch den Ausbau erneuerbarer Energien ersetzt wurde.

Im ersten Jahr nach dem Ausstieg stieg deren Stromerzeugung um etwa 33 Terawattstunden. Gleichzeitig ging die fossile Stromproduktion deutlich zurück. Quelle: Fraunhofer ISE – Ein Jahr ohne Kernkraft.

Natürlich muss man hier sauber unterscheiden.

Das bedeutet nicht, dass zu jeder Stunde der frühere Atomstrom unmittelbar durch Wind- oder Solarstrom ersetzt wurde. Auch Stromimporte, ein veränderter Verbrauch und die Erzeugung anderer Kraftwerke spielten eine Rolle.

Aber die pauschale Behauptung, Deutschland habe seinen Atomstrom zwangsläufig vollständig durch Kohle ersetzen müssen, lässt sich mit diesen Zahlen nicht vereinbaren.

Auch beim Strompreis ist das Bild deutlich differenzierter, als manche politische Erzählung vermuten lässt.

Nach dem Atomausstieg kam es nicht zu einem dauerhaft anhaltenden, unmittelbar durch die Abschaltung ausgelösten Sprung der Börsenstrompreise.

Im April 2024 lagen die Börsenstrompreise laut Fraunhofer ISE wieder ungefähr auf dem Niveau vor der Energiekrise.

2025 stiegen die durchschnittlichen Börsenstrompreise gegenüber 2024 zwar wieder an. Daraus lässt sich aber ebenso wenig eine einfache Kausalität zum Atomausstieg ableiten. Quellen: Fraunhofer ISE – Ein Jahr ohne Kernkraft und Stromerzeugung 2025.

Das ist wichtig, weil Deutschlands Energiepreise nicht isoliert betrachtet werden können.

Die Energiekrise 2021/2022 wurde insbesondere durch die Entwicklungen am europäischen Gasmarkt und den russischen Angriff auf die Ukraine verschärft.

2026 haben der Irankrieg und die Blockade der Straße von Hormus erneut gezeigt, wie stark geopolitische Konflikte die internationalen Energiepreise beeinflussen können. Auch die Deutsche Bundesbank hat die beiden Energiekrisen miteinander verglichen. Quelle: Bundesbank – Energiekrisen 2021/22 und 2026 im Vergleich.

Strompreise hängen außerdem von Netzkosten, Steuern, Abgaben, Brennstoffpreisen, CO₂-Kosten, Nachfrage und dem europäischen Stromhandel ab.

Die Schuld einfach den erneuerbaren Energien oder dem Atomausstieg zuzuschieben, wird dieser Komplexität nicht gerecht.

Vor allem aber zeigen die vergangenen Jahre: Deutschland ist nach dem Atomausstieg nicht in die vielfach vorhergesagte energiepolitische Katastrophe geraten.

Das beweist nicht, dass der ursprüngliche Ausstieg die beste Entscheidung war.

Aber es schwächt die Behauptung, wir müssten nun dringend zur klassischen Atomkraft zurückkehren, um eine ansonsten nicht funktionierende Stromversorgung zu retten.

Was ist mit kleinen Atomreaktoren und Kernfusion?

An dieser Stelle möchte ich eines besonders deutlich machen: Ich bin kein grundsätzlicher Gegner der Kernenergie.

Ich halte es sogar für einen Fehler, bestimmte Technologien allein aus politischen oder ideologischen Gründen auszuschließen.

Gerade kleinere modulare Reaktoren, sogenannte Small Modular Reactors (SMR), könnten langfristig interessante Möglichkeiten bieten.

Die Idee besteht unter anderem darin, kleinere Reaktoreinheiten standardisiert und möglichst industriell vorzufertigen.

Dadurch könnten sich perspektivisch Bauzeiten, Projektrisiken und Finanzierungshürden reduzieren.

Ob diese Versprechen wirtschaftlich tatsächlich in großem Maßstab eingelöst werden können, ist allerdings noch nicht ausreichend bewiesen.

Auch die Internationale Energieagentur sieht Chancen für kleine modulare Reaktoren, verweist aber gleichzeitig auf erhebliche Herausforderungen bei Finanzierung, Lieferketten und industrieller Umsetzung. Quelle: IEA – The Path to a New Era for Nuclear Energy.

Deshalb wäre ich durchaus dafür, diese Technologien weiter zu erforschen und ihre tatsächliche Wirtschaftlichkeit offen zu prüfen.

Ähnlich sehe ich es bei der Kernfusion.

Falls es gelingt, Fusionskraftwerke eines Tages technisch zuverlässig und wirtschaftlich konkurrenzfähig zu betreiben, könnte das einen großen Fortschritt für die Energieversorgung bedeuten.

Allerdings ist Kernfusion heute noch keine kommerziell verfügbare Lösung für Deutschlands Strombedarf.

Wir sollten Forschung und Entwicklung deshalb unterstützen, ohne unsere gegenwärtige Energiepolitik auf technologische Durchbrüche aufzubauen, deren Zeitpunkt und Wirtschaftlichkeit ungewiss sind.

Und vor allem sollten wir solche Technologien nicht politisch instrumentalisieren, um den Ausbau erneuerbarer Energien auszubremsen. Wenn ich zum Beispiel in einer Talkshow einen CDU-Politiker von Kernfusionen reden höre, sträuben sich bei mir die Haare. Allein so ein Auftritt würde für mich schon reichen, einen Rücktritt dieses Politikers zu fordern, da dieser offensichtich sich nicht mit dem Thema auskennt und trotzdem in überheblichem Maß darüber redet und die Bevölkerung für Dumm hält oder es einfach selber nicht besser weiß. Hierbei spiele ich auf Johannes Volkmann von der CDU an, welcher der Enkel von Kohl ist und den in einer Talkshow von Kernfusion als Lösung redete, während kein Experte sicher sagen kann, ob wir wirtschaftlich rentable Kernfusion überhaupt am Ende des Jahrhunderts haben werden. Die jetzigen Projekte für Kernfusion sind riesige Bauvorhaben, die über Jahrzehnte geplant werden und hierbei nicht absehbar wirtschaftlich rentabel sein werden. Meiner Meinung nach müsste also schon ein kleines Wunder geschehen, bis diese Technologie zur Realität wird.

Technologieoffenheit bedeutet für mich nicht, jede Technologie ungeachtet ihrer Kosten gleich stark zu fördern. Sie bedeutet, unterschiedliche Ansätze sachlich zu bewerten und Forschung nicht ideologisch zu blockieren.

Wenn sich kleine modulare Reaktoren oder die Kernfusion eines Tages als wirtschaftlich sinnvoll erweisen, sollten sie durchaus Teil unseres Energiesystems werden können.

Aber die Entscheidung darüber sollte auf nachvollziehbaren wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Bewertungen beruhen.

Nicht auf politischen Schlagworten.

Vermerk: Es gibt natürlich noch mehr Argumente, die gegen erneuerbare sind, aber man muss auch klar sagen, dass einige hiervon einfach pseudowissenschaftlich sind. Beispiele hierfür ist das häufig angeführte Argument der fehlenden Trägheit im Stromnetz. Konventionelle Kraftwerke stabilisieren durch ihre rotierenden Massen die Netzfrequenz. Wind- und Solaranlagen, die über Wechselrichter einspeisen, bieten diese Eigenschaft nicht automatisch in derselben Form. Daraus jedoch abzuleiten, dass ein Stromnetz mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien grundsätzlich instabil sei, ist falsch. Moderne Wechselrichter und Batteriespeicher können mithilfe sogenannter synthetischer Trägheit und netzbildender Technologien wichtige Funktionen zur Netzstabilisierung übernehmen. Großbatterieprojekte in Australien, etwa die Hornsdale Power Reserve mit Tesla-Technologie, zeigen bereits in der Praxis, dass Batteriespeicher zur Frequenzstabilisierung beitragen können. Die technischen Herausforderungen sind also real, aber keineswegs unlösbar. Entscheidend ist, die notwendigen Technologien und Netzstrukturen konsequent weiterzuentwickeln.

Wir müssen lernen, überschüssigen Strom besser zu nutzen

Ein Problem der Energiewende, das gleichzeitig eine enorme Chance darstellt, wird häufig übersehen.

Schon heute gibt es Zeiten, in denen Deutschland sehr viel Strom aus Wind und Sonne produziert.

An besonders windigen oder sonnigen Tagen kann das Angebot so groß sein, dass die Preise an der Strombörse auf sehr niedrige oder sogar negative Werte fallen.

Dann wird ein Teil der erneuerbaren Stromproduktion unter Umständen abgeregelt, weil Strom nicht ausreichend flexibel verbraucht, gespeichert oder transportiert werden kann.

Das ist natürlich wirtschaftlich nicht ideal.

Aber ich sehe darin nicht nur ein Problem.

Ich sehe vor allem einen Hinweis darauf, wie viel Potenzial in einem gut entwickelten erneuerbaren Stromsystem steckt.

Denn wir produzieren bereits zeitweise so viel günstige Energie, dass wir Schwierigkeiten haben, sie vollständig zu nutzen.

Die spannende Frage lautet deshalb: Wie schaffen wir es, diesen günstigen Strom besser nutzbar zu machen?

Dafür gibt es zahlreiche Möglichkeiten.

Wir können mehr Batteriespeicher bauen, die überschüssige Energie aufnehmen. Wir können Industrieunternehmen Anreize geben, bestimmte Produktionsprozesse in Zeiten niedriger Strompreise zu verlagern.

Wir können Elektroautos intelligenter laden, Wärmespeicher einsetzen und durch Elektrolyse Wasserstoff für Anwendungen produzieren, bei denen eine direkte Elektrifizierung schwierig ist.

Gleichzeitig brauchen wir intelligentere Stromnetze und bessere Möglichkeiten, Verbrauch und Erzeugung aufeinander abzustimmen.

Das klingt kompliziert. Und technisch ist es das teilweise auch.

Aber genau solche Herausforderungen sind doch die Grundlage für Innovationen.

Hier entstehen neue Märkte, Technologien und Geschäftsmodelle.

Eine Fraunhofer-IEE-Studie von 2026 zeigt, dass zusätzliche Speicher in einem solchen System nicht nur technisch helfen, sondern auch erhebliche volkswirtschaftliche Einsparungen ermöglichen können.

Ich finde diese Perspektive viel spannender als die Vorstellung, wir müssten die energiepolitischen Entscheidungen der vergangenen Jahrzehnte rückgängig machen.

Wir sollten lieber daran arbeiten, aus den bereits geschaffenen Möglichkeiten den größtmöglichen Nutzen herauszuholen.

Die Energiewende sollte ein wirtschaftliches Projekt sein, nicht nur ein Klimaprojekt

Zum Schluss möchte ich auf einen Punkt zurückkommen, der mir besonders wichtig ist.

Wenn wir in Deutschland über die Energiewende sprechen, dreht sich die politische Kommunikation häufig um Klimaziele, CO₂-Reduktion und unsere Verantwortung für zukünftige Generationen.

Diese Ziele sind wichtig.

Aber ich glaube, dass wir damit einen großen Teil des eigentlichen Potenzials der Energiewende nicht ausreichend vermitteln.

Denn für mich liegt ihre vielleicht größte Chance darin, dass Deutschland langfristig Zugang zu sehr günstigem Strom bekommen könnte.

Und günstiger Strom bedeutet wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit.

Er bedeutet niedrigere Betriebskosten für Unternehmen, bessere Bedingungen für energieintensive Industrien und neue Möglichkeiten für Technologien, die große Mengen elektrischer Energie benötigen.

Er könnte dabei helfen, wieder mehr industrielle Wertschöpfung nach Deutschland zu holen oder bestehende Standorte zu sichern.

Natürlich passiert das nicht automatisch.

Wir brauchen dafür einen effizienten Netzausbau, weniger Bürokratie, ausreichend Speicher, eine intelligente Marktgestaltung und eine Politik, die wirtschaftliche Realitäten ernst nimmt.

Es wäre falsch zu behaupten, dass viel Wind- und Solarstrom allein schon niedrige Endkundenpreise garantiert.

Aber die niedrigen Stromgestehungskosten dieser Technologien bieten eine Grundlage, auf der sich ein wettbewerbsfähiges Energiesystem entwickeln lässt.

Und genau darin sollte meiner Meinung nach der politische Ehrgeiz liegen.

Deutschland sollte nicht nur versuchen, bestimmte Klimaziele zu erreichen.

Deutschland sollte versuchen, eines der wirtschaftlich attraktivsten, technologisch fortschrittlichsten und zuverlässigsten Stromsysteme der Welt aufzubauen.

Wir sollten in Forschung investieren, Unternehmen bei Innovationen unterstützen und dafür sorgen, dass neue Technologien hier entwickelt und wirtschaftlich eingesetzt werden können.

Nicht aus ideologischen Gründen.

Sondern weil es langfristig unserem Wohlstand dienen kann.

Mein Fazit: Die Zukunft liegt vor uns, nicht hinter uns

Ich verstehe, warum viele Menschen den deutschen Atomausstieg kritisch betrachten.

Auch ich habe lange daran gezweifelt, ob Deutschland mit dieser Entscheidung den richtigen Weg eingeschlagen hat.

Und ich halte es weiterhin für legitim, darüber zu diskutieren, ob die damalige Entscheidung richtig war.

Nur ist das für die heutige energiepolitische Strategie nicht mehr die entscheidende Frage.

Die Atomkraftwerke sind abgeschaltet. Ein großer Teil der Infrastruktur ist bereits im Rückbau. Die industrielle Ausgangssituation hat sich verändert.

Ein Wiedereinstieg in die klassische Atomkraft würde enorme Investitionen erfordern, viele Jahre dauern und erhebliche finanzielle Risiken mit sich bringen.

Gleichzeitig verfügen wir mit Windenergie, Photovoltaik, Batteriespeichern und einer immer intelligenteren Netztechnik über Technologien, die sich bereits heute einsetzen und kontinuierlich weiterentwickeln lassen.

Diese Technologien sind nicht perfekt.

Sie benötigen zusätzliche Infrastruktur, flexible Reservekraftwerke und einen gut funktionierenden Strommarkt.

Aber sie bieten meiner Ansicht nach die deutlich realistischere Perspektive für eine bezahlbare, zuverlässige und wirtschaftlich attraktive Energieversorgung in Deutschland.

Neue nukleare Technologien sollten wir weiter erforschen und gegebenenfalls einsetzen, wenn sie ihre wirtschaftlichen und technischen Vorteile tatsächlich unter Beweis stellen.

Was wir dagegen nicht tun sollten, ist die Rückkehr zu klassischen Atomkraftwerken zum politischen Allheilmittel erklären.

Denn darin sehe ich weder eine überzeugende Antwort auf unsere aktuellen Strompreise noch eine besonders zukunftsorientierte Wirtschaftsstrategie.

Die entscheidende Frage sollte nicht sein, wie wir die Atomkraft zurückholen. Sondern wie wir ein Energiesystem schaffen, das Deutschland in den kommenden Jahrzehnten einen echten wirtschaftlichen Vorteil verschafft.

Und ich glaube, dass wir mit einem konsequenten, technologisch offenen und wirtschaftlich durchdachten Ausbau erneuerbarer Energien dafür die deutlich besseren Voraussetzungen haben.